alz Aktuell: Mitteilungen für Patienten und die Presse
 
 
 
             Fehlsichtig? Die Femto-LASIK Alternativen zur LASIK: Linsen- und Hornhautimplantate, Linsenaustausch Ablauf einer refraktiv-chirurgischen OP an der alz Klinik und Team Laser und Geräte an der alz Warum alz? Wählen Sie Kompetenz! Informationen und Termine alz Aktuell  
 

 

 

alz Aktuell
alz Veranstaltungen
Für die Presse

 


     
   
   
 

alz Mitteilungen

Aktuelle Mitteilungen aus unserer Klinik


Hornhautverdünnung nach LASIK: Wann kann eine Keratektasie auftreten?

Stellungnahme der alz augenklinik münchen zur Sendung
Stern TV am 7. April 2004

München, 7. April 2004

Als Keratektasie bezeichnet man eine Vorwölbung der Hornhaut infolge einer Hornhautverdünnung. Die Keratektasie ist das wichtigste Merkmal des Keratokonus, einer Erkrankung, bei der die sich die Hornhaut zunehmend verdünnt und aufgrund des Augeninnendruckes nach außen vorgewölbt wird. Damit geht eine mäßige bis erhebliche Verschlechterung des Sehvermögens einher, da es zu einer verzerrten Abbildung der Umwelt kommt.
Wie aktuell in der Sendung Stern-TV berichtet wird, kann die Keratektasie als Komplikation nach einer LASIK-Operation auftreten. Was ist da "dran?"

Warum spielt die Hornhautdicke eine Rolle?
Bei der LASIK-Operation wird im Zentrum der Hornhaut Gewebe abgetragen, um die Fehlsichtigkeit des Patienten zu korrigieren. Dadurch ist die Hornhaut nach der Operation dünner als zuvor. Im Rahmen der Voruntersuchung - also vor der Operation - muss daher festgestellt werden, ob die Hornhaut nach erfolgtem Laserabtrag noch dick genug (=stabil genug) sein wird. Die Ermittlung bzw. Berechnung der Hornhautdicke vor und nach der Operation ist einer der wichtigsten Gründe für die exakte Voruntersuchung. Eine nicht ausreichend dicke Hornhaut ist, neben zu großen Pupillen, einer der häufigsten Gründe, einem Patienten von der Operation abzuraten, eben gerade um keinerlei Risiko für eine Keratektasie einzugehen.

Wie ermittelt man die postoperative Hornhautdicke?
Dazu werden die individuellen Ergebnisse verschiedener Untersuchungen ausgewertet. Zunächst werden die Refraktion, d.h. die Brillenstärke, des Patienten und die Weite der Pupille im Dunkeln bestimmt: Diese beiden Werte definieren maßgeblich, wie viel Hornhautgewebe zur Korrektur des Sehfehlers abgetragen werden muss. Falls eine Wellenfrontanalyse für eine Aberrometrie gesteuerte LASIK durchgeführt wird, fließen auch die Ergebnisse dieser Untersuchung mit ein.
Allgemein gilt: Je höher die Fehlsichtigkeit, und je größer die Pupillenweite im Dunkeln, desto höher der notwendige Hornhautabtrag.

Aus der Munnerlyn'schen Formel (siehe Lexikon) errechnet sich als Faustregel, dass 15µ pro zu korrigierender Dioptrie bei einer Pupillenweite von 6mm abzutragen sind.
Nachdem mit Hilfe der Pachymetrie die Hornhautdicke des Patienten vor der Operation gemessen wurde, kann nun die Kalkulation durchgeführt werden. Zu berücksichtigen sind dabei noch die Dicke der Hornhautlamelle von ca 160µm und der wichtigste Anhaltspunkt: Um die Hornhautstabilität zu gewährleisten, müssen mindestens 250µm Hornhautgewebe unter der Lamelle stehen bleiben.
Man kann nach dieser Formel also lediglich so viele Dioptrien abtragen wie sich aus folgender Formel errechnen:

Korrigierbare Dioptrien bei 6mm optischer Korrekturzone = (Hornhautdicke – Flapdicke – 250µm) / 15 µm


Selbstverständlich muss bei jedem Patienten vor einem Lasereingriff ein beginnender Keratokonus, also eine genetisch bedingte Hornhautschwäche, durch Untersuchung an der Spaltlampe und durch die sorgfältige Analyse der Hornhauttopographie ausgeschlossen werden: Das Erkennen erster diskreter Hinweise für einen beginnenden Keratokonus bedarf solider Kenntnis und nicht geringer Erfahrung. Ihr Übersehen ist einer der häufigsten Gründe für eine spätere Keratektasie.

Wie häufig tritt eine Keratektasie nach LASIK auf?
In der wissenschaftlichen Literatur wurden bisher weltweit nur 43 Fälle beschrieben. Die Analyse ergibt, dass 38 davon - das sind fast 90% - durch eine sorgsame Diagnostik vermeidbar gewesen wären: entweder war die Hornhaut des Patienten ist zu dünn oder ein Hinweis für das Bestehen eines Keratokonus wurde übersehen oder der Laser hat zuviel Gewebe abgetragen.
Im ersten und zweiten Fall wurde eine falsche Diagnose gestellt, im dritten wurde falsch behandelt: In allen Fällen wurde die postoperative Keratektasie durch den Arzt und nicht das LASIK Verfahren an sich verursacht.
Die vereinzelten Fälle, in denen eine Keratektasie auftrat, ohne dass aus der Dokumentation ein klarer nachvollziehbarer Grund dafür hervorgeht, können wir gegenwärtig nicht erklären. Das statistische Risiko für ein solches Ereignis liegt bei 1 zu mehreren 100.000.

Und wenn’s passiert ist: Was kann man machen?
Die einfachste Möglichkeit, das Sehvermögen wiederherzustellen, ist die Anpassung einer maßgeschneiderten Kontaktlinse. Wenn eine solche Kontaktlinse nicht vertragen werden kann, kann man feine Kunststoffspangen in die Hornhaut einpflanzen (intracorneale Ringsegmente) um Sehvermögen und Wölbung zu stabilisieren.
Wenn alle Stricke reißen, ist eine Hornhautübertragung mit sehr hohen Erfolgsaussichten möglich.

Fazit
1. Eine Keratektasie ist extrem seltene Komplikation, die durch eine sorgsame Diagnostik (inklusive Ausschluss einer genetisch bedingten Hornhautschwäche) sowie eine verantwortungsvolle Beratung und Behandlung (Beachten einer ausreichenden Restdicke der Hornhaut nach dem Lasern) fast immer vermeidbar ist.

2. Das nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand nicht vermeidbare Risiko einer Keratektasie ist statistisch extrem gering (Eins zu mehreren Hunderttausend).

3. Und schließlich: Wenn’s wirklich passiert, ist eine Behandlung zum Erhalt des Sehvermögens mit sehr hoher Erfolgschance möglich.

4. Die LASIK ist bei
- sorgfältiger Voruntersuchung,
- kundiger und sorgfältiger Bewertung der Ergebnisse
- Einhaltung der bekannten Grenzen der Methode
- auf die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen des Patienten eingehender und abgestimmter Abwägung von Chancen und Risiken
- sorgfältiger und kundiger Durchführung und Nachbehandlung

eine Methode zur operativen Sehfehlerkorrektur von einer Erfolgsqualität und einem Risikoprofil, welches sich mit Brillen und Kontaktlinsen messen kann: Entgegen einer zwar weit verbreiteten, aber deshalb nicht weniger unzutreffenden Meinung sind nämlich Brillen und Kontaktlinsen weder von perfekter Abbildungsqualität im "täglichen Trage-Leben" noch risikolos. Während Brillenglasverletzungen tatsächlich extrem selten sind, sind Hornhautverletzungen, Gefäßeinwachsungen in die Hornhaut bis hin zu Hornhauttrübungen und sogar infektiösen Geschwürbildungen mit bleibenden Schäden bei Kontaktlinsen durchaus – wenn auch glücklicherweise nicht häufig – Bestandteil der augenärztlichen Praxis.

Deshalb: Die Risiken einer LASIK-Operation darf man nicht banalisieren – aber gewiss auch nicht dämonisieren.

Eine vernünftige und realistische Abwägung ist gefragt: Einen guten refraktiven Chirurgen erkennen Sie daran, dass er genau das mit Ihnen tut.


Verfaßt am 7. April 2004 von
Prof. Dr. med. Thomas Neuhann, Dr. med. Markus Bauer und
Dr. med. Barbara Lege